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Rotorua – Die stinkende Welt der spukenden Geysire

Rotorua. Geothermale Stadt des Landes. Hier stinkt es nach faulen Eiern. Hier spucken Geysire heisses Wasser in die Luft. Vulkane formten die Landschaft, in der Rotorua liegt.

Rotorua

Der schwere Rucksack auf dem Rücken. Die Tasche mit dem Essen in der rechten Hand. Den kleinen Rucksack vor dem Bauch. Genau so, machte ich mich langsam auf zum Hostel, in dem Jacques arbeitet.

Jacques hatte in Nelson mit mir zusammen im Hostel gearbeitet. Ich wollte ihn nun ein paar Tage hier in Rotorua besuchen.

Das war zumindest der Plan, den ich im Kopf hatte . Aber Pläne ändern sich ja bei mir recht schnell. Siehst du ja bald selbst.

Irgendwie riecht es hier gar nicht so nach Schwefel, wie ich gedacht hatte.

Komisch.

Im Hostel Rotorua Downtown Backpackers angekommen. Gleich wurde ich mit einem Lächeln an der Rezeption begrüßt. Das Lächeln stellte sich als Em vor.

Ich frage erstmal nach einem Bett für ein paar Nächte. Sie meinte, sie haben grad ein Angebot am Laufen. Drei Nächte zum Preis für zwei in einem 6-Bett Zimmer. 48$. So günstig hab ich ja noch nie geschlafen, dachte ich mir.

Da ich ja noch keinen Plan hatte, wie lange ich hier bleiben möchte, hab ich einfach mal das Angebot angenommen.

Ich erzählte ihr noch, dass ich Jacques besuchen komme, der hier im Hostel arbeitet. Sie wusste erstmal nicht, wer Jacques überhaupt ist. Als ich dann noch erwähnt habe, dass er Franzose ist, fragte sie, ob ich Jack meine. Ja, das wird er wohl sein. Sie fragte, ob ich denn Sven sei. Jack erzählt heute schon den ganzen Tag, dass ihn Sven, sein Kumpel aus Nelson besuchen kommt. Er hat sich wohl riesig gefreut, dass ich komme.

Ich musste nicht mal die 20$ Kaution für den Zimmerschüssel hinterlegen. Normalerweise muss ich ja immer eine Kaution hinterlegen. Mega.

Ich packe mein Zeug und mach mich auf in mein Zimmer.

Durch die Küche.

Ah, da sehe ich Jacques schon, draußen beim Rauchen, wo auch sonst. Wir winken uns zu. Er raucht noch zu Ende.

Den Blick wieder durch den Raum schweifend, entdecke ich direkt vor mir zwei Mädels. Sehen für irgendwas abfahrbereit aus. Die Brünette sah aus, als ob ich sie schon mal gesehen habe. Die andere kommt, denk ich mal, aus asiatischen Gefilden.

Die Brünette schaut mich schon so komisch an. Was die wohl gerade denkt, frage ich mich?

Das Erste, was sie fragt ist, ob ich Sven sei? Ich war erstmal baff und wusste keine Antwort darauf. Wahrscheinlich musste ich sie ganz komisch angeschaut, ja von oben nach unten abgecheckt haben.

Schaut nicht so aus, als ob sie mich mag.

Die Brünette stellte sich als Steff vor. Deutsche, aja auch mal wieder. Die aus den asiatischen Gefilden als Miki. Japan, da kommt sie her.

In dem Moment kam Jacques herein und sagte, dass sie gerade am Aufbruch sind. Sie wollten zum Zorb fahren.

Was zum Geier ist denn Zorb, hab ich mich gefragt?

Steff fragte mich, ob ich denn nicht mit möchte? Hmm, sie mag mich wohl doch ein wenig.

Ähm Ähm Ähm.

Jacques sagte gleich, ja na klar kommt er mit.

Ähm Ähm.

So flexibel war ich noch nie. Fühlte mich überrannt.

Ich meinte gut, was brauche ich denn? Badeshorts und ein Handtuch.

Gut, sagte ich,  dann bringe ich nur schnell mein Zeug ins Zimmer.

Eins Komma fünf Minuten später war ich wieder unten. Alle verschwunden. Wo waren die denn schon wieder? Ich lief zur Rezeption.

Ah da.

Sie sprachen gerade mit Em.

Sven kommt mit, meinten die zwei Mädels plus Jacques.

Ich fragte, was das denn kosten würde. Wir bekommen es für 15$.

Zwei Abfahrten. Double und eine Zig Zag Fahrt. Was das alles ist? Ich hab auch keinen Plan.

Ich weiß, nur normalerweise kostet eine Fahrt 29$ und jeder weitere 19$.

Wir bekommen zwei Abfahrten für 15$, geil was? Fängt ja hier schon geil an.

Hinein in Jacques Auto. Keine Ahnung, was wir alles geredet haben, ich war immer noch etwas neben der Spur. Ich war noch total verwirrt davon, dass mich hier wohl alle mit Namen kennen.

Was der Jacques alles über mich erzählt hat?

Egaaaal. Weiter geht es.

Zorb

Zorb. Das stand auf dem Schild. Menschen, die in riesigen Plastikbällen den Berg hinabrollen. Na das kann ja witzig werden.

Da steigen wir also aus der Tür aus, als so eine Blonde die Tür vor unserer Nase zuhaut und schreit „Wir haben geschlossen.“

Was geht denn hier ab, denk ich mir nur?

Anscheinend kennen die Blonde alle. Wer ist das denn? Sie stellte sich mir, glaube ich nie vor. Ich genauso wenig, wenn ich darüber nachdenke.

Manchmal schnappt man nur so die Namen auf und redet sich dann halt so an. Oder führt Gespräche, ohne je nach dem Namen zu fragen. Um sich dann Tage später zu fragen, wer war jetzt das nochmal. Um dann festzustellen, dass man sich nie einander vorgestellt hat.

Was echt schade ist. Denn wenn man den Namen des anderen weiß, dann ist dieser nicht mehr die fremde Person, die er bleibt, wenn man einfach ohne Namen von Dannen zieht.

Die Blonde drückt uns, als wir zur Tür hereinkommen, erstmal eine riesige Packung Fish & Chips in die Hand. So in der Art, hier esst erstmal. Es wird ja immer besser hier. Ich wollte endlich mehr darüber erfahren, wer denn dieses Mädel ist. Aber auf die Idee zu kommen, einfach mal nachzufragen, bin ich nicht gekommen.

Nach dem ausgiebigen Mahl, gings dann los.

Erstmal muss ich, an nicht so ganz funktionierenden Touchmonitoren, ein Formular ausfüllen. Zustimmen, dass ich ja auch getötet werden kann und dass ich dies auf eigene Gefahr mache.

Bla bla bla.

Umziehen und erstmal in heißen Pool springen. YI HA. Geil. Absolut geil. Draußen recht kalt und das Wasser richtig heiß.

Die Blonde stellte sich als Sarah raus. So haben sie, sie zumindest angeredet. Und so hab ich sie dann auch angeredet. Sie arbeitet auch im Downtown Hostel für Unterkunft und nebenher hier beim Zorb.

Ah, jetzt ist mir alles klar, daher kennen sie Sarah also.

Zeit, in den Jeep einzusteigen und den Berg hoch zur DropOff Zone zu fahren.

Brrr, kalt war es.

Die erste Abfahrt war ein Doppel und es sollte einfach gerade den Hügel hinunter gehen.

Es sollte ein Rennen werden, wir Jungs gegen die zwei Mädels.

Sarah bereitete die RIESEN Bälle vor.

Sie füllte warmes Wasser in den Ball.

Oh yeah, dachte ich, das wird lustig.

Durch die kleine Öffnung sollen wir in den Ball gelangen?

Sarah meinte nur, nehmt Anlauf und dann einfach den Superman machen und in den Ball hinein flutschen.

Gesagt, getan. Jacques war als Erster dran. Dann hab ich den Superman gemacht. Ging ganz einfach.

Wir sahen uns im Ball nur an und dachten beide wahrscheinlich das Gleiche.

ES WIRD DER ABSOLUTE WAHNSINN.

Sarah sagte, wenn sie das Signal gibt, dann sollen wir uns hinstellen und uns gegen den Ball nach vorne lehnen.

GO GO GO!

Und wir lehnten uns nach vorne.

Und dann ging die Post ab. Das Gefühl liegt irgendwie zwischen einer Waschmaschine und einer Wasserrutsche. Nur, dass du alles gleichzeitig hast und dann auch noch den Berg hinabrollst.

Geile Scheisse, ey.

Wir versuchten natürlich erstmal weiter im Ball zu laufen.

Was denkst du, wie lange das gut ging?

Genau, zwei Schritte vielleicht und dann fielen wir einfach um und überschlugen uns einmal, zweimal, dreimal, viermal. Irgendwann hörte ich dann auf mit zählen.

Rotorua und die Welt der spukenden Geysire_5

3-2-1-Los-Zorbing

Unten angekommen. Wir waren natürlich die Ersten. Die Mädels hörte ich nur lachen und kreischen.

Wie sollen wir denn jetzt aus dem Ball herauskommen? Konnten ja keinen Anlauf nehmen.

Der Ball wurde einfach schräg gestellt und wir flutschten einer nach dem anderen raus.

Danach ging es erstmal kurz in den heißen Pool zum Aufwärmen.

Heiß.

Miki – Steff – Jacques – Ich

Die nächste Abfahrt soll die ZigZag Route sein. Diesmal allerdings alleine.

Wieder hinauf mit dem Jeep. Diesmal durften wir nicht alle gleich mit aussteigen, sondern einer nach dem anderen.

Superman gemacht.

Mich hingestellt zum Losrennen.

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Zig Zag

Und GO!

Da haut es mich gleich auf die Fresse, ey. Zum Glück lande ich im warmen Wasser. Das Wasser spritzte mir nur so im Gesicht herum.

Rutsche von einem Eck ins andere des runden Balles.

Erst nach links, dann nach rechts, dann wieder rechts, dann links.

Ich fühle mich hier echt wie in einer Waschmaschine.

Bähm, da springt der Ball in die Luft. Wo fliege ich denn jetzt hin, dachte ich nur.

Kann ja zum Glück nichts schlimmes passieren.

Oh, schon zu Ende?

Völlig durchgeschüttelt komme ich unten an und liege erstmal völlig orientierungslos im Ball. Dann werde ich wie ein reifer Apfel aus dem Ball geschüttelt.

Das macht echt Spass, könnte ich den ganzen Tag machen.

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Ich im Zorb

Rauf, runter, rauf, runter. All day long.

Danach chillten wir erstmal noch völlig relaxed im heißen Pool, bevor wir dann, die von uns gemachten Bilder anschauten.

Das sieht ja witzig aus. Bin schon richtig gespannt auf das GoPro Video, welches Steff gemacht hat.

Und weil der Tag ja noch nicht zu Ende ist und wir alle noch voller Energie waren, hat Jacques vorgeschlagen zu den Hamurana Springs zu fahren.

Hamurana Springs

Kristallklares Wasser. Türkisblaue Farbe. Schwäne die im Wasser herumtollen. Sand, der durch die kleinen Wasserquellen im Boden herumtanzt. Natur pur. Hört sich nach einem Traum an.

Ich mitten drin.

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Hamurana Springs

Hamurana Springs ist ein Fluss, der etwas außerhalb von Rotorua liegt und gut mit dem Auto zu erreichen ist.

Der Ort ist einfach nur wunderschön. Die Sonne spiegelt sich im kristallklaren Wasser und ist umgeben von riesigen Redwood Bäumen.

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Redwood Bäume

Der kleine Rundweg fühlt sich total magisch an.

So etwas habe ich noch nie gesehen.

Dann kamen wir zu der Stelle mit dem tanzenden Sand. Ich konnte mir ja vorher nicht vorstellen, was das sein sollte.

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Tanzender Sand

Nun sehe ich es genau. Feiner sprudelnder Sand, welcher durch kleine Löcher im Boden nach oben gewirbelt wird. Da muss auch eine kleine Quelle sein. Sieht total faszinierend aus.

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Sonnenuntergang über dem Golfplatz

Wenige Meter vorher kamen wir an der Flussquelle vorbei. Tiefes türkises Wasser. Das Wasser ist so klar, ich kann meterweit in die Tiefe sehen.

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Hamurana Springs Quelle

Ein paar Meter weiter wird der kleine Fluss breiter und breiter und das türkis des Wassers kommt immer mehr zur Geltung.

Einer von vielen magischen Orten Neuseelands.

Langsam machte sich die Kälte des Winterabends breit. Ja, es war noch Winter, das darfst du nicht vergessen.

So fuhren wir glücklich zurück zum Hostel.

Mit einem kleinen gemeinsamen Abendessen und dem mir noch unbekannten Kartenspiel „Shithead“, ließen wir den schönen Tag ausklingen.

Infobox

Zorb

  • In riesigen Bällen den Berg hinab rollen
  • Google Maps GPS Koordinaten: -38.082826 176.188594
  • Wow Faktor: Kann man auslassen

Hamurana Springs

  • Ein leichter 30 Minuten Rundweg
  • Google Maps GPS Koordinaten: -38.033624 176.258768
  • Wow Faktor: Mega beeindruckend

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